Die Lohnvorstellung in deiner Bewerbung – Wie du dich richtig vorbereitest und verhandelst

von Matteo
schweizer franken in noten und münzen als symbol für lohnvorstellung in der bewerbung

Du hast auf deine perfekte Bewerbung die Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten? Gratuliere! Ein grosser Teil ist bereits geschafft. Auf das Vorstellungsgespräch solltest du dich jedoch gut vorbereiten und die Lohnvorstellung ist ein wichtiger Teil davon. Auch wenn die Schweiz ist ein Hochlohn-Land ist, wird nicht gerne über Gehälter gesprochen. Manche Unternehmen verbieten gar ihren Mitarbeitenden, über den Lohn zu sprechen. Im Vorstellungsgespräch spricht man jedoch natürlich auch in der Schweiz darüber. Mit den folgenden Tipps weisst du alles, was für eine erfolgreiche Lohnverhandlung in der Schweiz benötigt wird…

Informiere dich gut und habe ein klares Ziel bezüglich Lohnvorstellung in der Bewerbung

Auch wenn die Schweiz mit einem Median-Lohn von ca. CHF 6’500 pro Monat ein Hochlohnland ist, variieren die Löhne je nach Position, Branche, Erfahrung, wirtschaftliche Lage der Organisation und Arbeitsort erheblich. Bevor du in deine Lohnvorstellung in der Bewerbung einbringst, solltest du dir ein Bild über die üblichen Löhne gemacht haben. Auf Websites wie lohnrechner.ch, lohnanalyse.ch, oder jobs.ch findest du zahlreiche nützliche Angaben. Beachte aber, dass diese Zahlen weder aktuell noch zwingend korrekt sein müssen und es sich letztlich um Richtwerte handelt.

Berücksichtige wie gesucht dein Profil und wie stark deine Konkurrenz ist

Die Löhne werden letztendlich auch über Angebot und Nachfrage festgelegt. Ist dein Beruf sehr gesucht, der Stellenmarkt ausgetrocknet und du passt sehr gut zum Profil, wirst du bei der Lohnverhandlung wenig Probleme haben. Bei wenig Angebot und viel Nachfrage wird es entsprechend schwieriger. Horizontale Stellenwechsel (d.h. du wechselst zu einem anderen Arbeitgeber in eine gleiche oder ähnliche Stelle) sind übrigens meist die effizienteste Art zu mehr Lohn zu kommen. Erhöhungen von 10-15% sind keine Seltenheit, da man mit den Erfolgen in der bisherigen Stelle eine gute Argumentationsbasis hat. Setz dir dein Lohn-Ziel also basierend auf all diesen Umständen. Sei selbstbewusst, denn bei zu tiefen Lohnforderungen könnte der Arbeitgeber denken, du seist nicht von dir selbst überzeugt oder du hättest dich nicht informiert. Du solltest aber dennoch in einem realistischen Rahmen bleiben.

frau die buch liest um sich für lohnvorstellung in der bewerbung zu informieren

Lohnvorstellung: Immer das Gesamtpaket im Auge behalten

Lohnvorstellung angeben: Keine Zahl, sondern eine Spanne angeben

Am ersten oder spätestens zweiten Vorstellungsgespräch wird das Thema Lohn zur Sprache kommen und vermutlich wirst du nach deinen Lohnvorstellungen gefragt. Nachdem du nun informiert bist und ein Lohn-Ziel vor Augen hast, kannst du diese Frage ohne Problem beantworten. Es empfiehlt sich jedoch, nicht eine konkrete Zahl (z.B. 6’000), sondern eine Spanne (z.B. 5’500 bis 6’400) anzugeben, wobei diese nicht zu weit und nicht zu eng sein sollte (maximal +/- 10%). So äusserst du zwar deine Lohnvorstellungen, signalisierst aber auch Gesprächsbereitschaft. Der Arbeitgeber hat natürlich auch schon eine konkrete Vorstellung bezüglich Höhe des Gehalts und will prüfen, ob sich diese mit deinen Forderungen deckt. Mit Angabe einer Spanne ist die Chance wesentlich höher, dass es zu einer Übereinstimmung kommt.

Betrachte den Netto-Jahreslohn anstelle des Brutto-Monatslohns

Obwohl in den Lohnverhandlungen meist vom Brutto-Monatslohn gesprochen wird, solltest du unbedingt auf den Nettolohn über das ganze Jahr fokussieren: Gibt es einen 13. oder 14. Monatslohn? Gibt es zusätzlich noch einen Bonus, z.B. aufgrund des Geschäftsgangs oder individuellen Zielen? Je nachdem wie das ausgestaltet ist, steht der diskutierte Brutto-Monatslohn in ganz anderem Licht. Nächster grosser Punkt sind die Sozialleistungen, allen voran die Pensionskasse. Da kann es grosse Unterschiede geben, bezüglich welchen Anteil der Beiträge der Arbeitgeber übernimmt. Die einen bezahlen zwei Drittel, andere nur die Hälfte. Das wirkt sich zwar nicht auf den Brutto-, allerdings stark auf den Nettolohn aus und dieser ist ja letztendlich das Geld, das dir jeden Monat auf dein Konto überwiesen wird. Unfallversicherung ist ebenfalls etwas, das in die Sozialleistungen gehört und wo es Unterschiede in der Leistung geben kann. Auch Überstundenregelungen können relevant sein: Deckt der Lohn allfällige Überstunden schon ab oder werden diese zusätzlich vergütet? Ein vermeintlich hoher Pauschal-Lohn bei einer Stelle mit viel Überstunden relativiert sich rasch, wenn man sich den effektiven Stundenlohn ausrechnet.

Ferien, Firmenauto, Parkplatz oder Kinderbetreuung: Fringe Benefits können viel ausmachen

Nebst dem Gehalt gibt es auch zahlreiche nicht-monetäre Lohn-Bestandteile, die vielleicht auf den ersten Blick kaum auffallen. Allen voran gehen die Ferien: Obligatorisch sind vier Wochen bezahlter Urlaub in der Schweiz, viele Unternehmen bieten fünf, sechs oder sogar noch mehr Wochen. Wenn du also beispielsweise nur vier Wochen bezahlter Urlaub bekommst, jedoch zwei weitere Urlaubswochen unbezahlt beziehen darfst, macht das faktisch einen halben Monatslohn aus. Weitere nicht-monetäre Bestandteile der Vergütung sind die so genannten «Fringe Benefits». Dazu gehören Dinge wie Rabatte, Handy-Abo, gratis Essen, Zuschüsse an ÖV, Mitgliedschaften, Weiterbildungen, Firmenauto, kostenloser Parkplatz, oder auch Angebote zur Kinderbetreuung und die Möglichkeit für Homeoffice. Die Möglichkeiten sind inzwischen beinahe grenzenlos. Überlege dir, was davon dir wichtig wäre, bzw. dir im Alltag Kosten spart. Kostenlose Parkplätze oder bezahlte Kinderbetreuung können schnell mehrere Tausend Franken im Jahr ausmachen. Manche Arbeitgeber sind bei den Fringe Benefits übrigens etwas kompromissbereiter als beim Monatslohn. Berücksichtige und nutze das in deiner Lohnverhandlung.

mann der am flughafen auf flug in die ferien wartet als symbol für fringe benefits als teil der lohnvorstellung bei der bewerbung

Verhandle auf Augenhöhe: Selbstbewusst auftreten und mit der Lohnvorstellung auch die richtigen Argumente bringen

Die Lohnverhandlung beim Vorstellungsgespräch ist oft heikel. Auf der einen Seite willst du deinem potenziellen Arbeitgeber möglichst viel Informationen zum Gesamtpaket entlocken und deine Lohnvorstellungen durchsetzen. Auf der anderen Seite sollte es nicht danach aussehen, dass dir nur der Lohn wichtig ist und du somit arrogant und gierig wirkst. Bedenke jedoch, ein Arbeitsverhältnis einzugehen ist für beide Seiten eine grosse Verpflichtung und letztendlich stellst du für das Gehalt dem Arbeitgeber dein Wissen und vor allem etwa die Hälfte deiner Zeit (bei Vollzeitanstellung) zur Verfügung. Die Lohnverhandlung sollte also auf Augenhöhe sein und ist genauso wichtig wie alle anderen Elemente der vakanten Stelle. Beachte deshalb folgende Dinge…

Sprich zur richtigen Zeit darüber: Idealerweise gegen Ende des Gesprächs

In den meisten Fällen wird dein potenzieller Arbeitgeber dich gegen Ende des ersten Gesprächs nach deinen Lohnvorstellungen fragen. Antworte darauf, dass du dir im Vorfeld Gedanken darüber gemacht und dich informiert hattest und einen Lohn zwischen X und Y für diese Stelle als marktgerecht empfindest. Erwähne, dass du jedoch noch keine Details zu 13. Monatslohn und Boni, Ferien, Sozialleistungen und Fringe Benefits hättest und diese natürlich deine Lohnvorstellungen beeinflussen würden. So startest du eine Konversation und die Personalverantwortliche wird dir vermutlich die eine oder andere Information geben. Viele Arbeitgeber nehmen deine im ersten Gespräch genannte Lohnvorstellung zur Kenntnis und sprechen es im zweiten Gespräch nochmals an. Solltest du konkret nach deinem Lohn beim aktuellen oder vergangenen Arbeitgeber gefragt werden, so musst du die Frage nicht beantworten. Versuche dann stattdessen, deine Lohnvorstellungen für die offene Stelle zu äussern (wie oben erwähnt). Wenn du beim ersten Gespräch nicht auf das Thema Lohn angesprochen wirst, kannst du entweder auf das zweite Gespräch warten (sofern es denn eines gibt), oder aber du fragst gegen Ende des Gesprächs selbst dezent nach. Entweder kriegst du dann eine konkrete Zahl zur Antwort, eine Gegenfrage bezüglich deiner Lohnvorstellungen oder der Personalverantwortliche weicht aus und gibt keine Angaben. Letzteres sollte jedoch eher die Ausnahme sein. Das Ganze bedarf etwas Fingerspitzengefühl. Versuche beim ersten Vorstellungsgespräch vor allem motiviert zu wirken und aufzuzeigen, was du dem Unternehmen bringst und was dich motiviert. Das Thema Lohn sollte da wirklich gegen Ende nur einen kleinen Teil der Zeit beanspruchen.

Sprich aus deiner Sicht, argumentiere aber aus Arbeitgeber-Sicht

Bei der Lohnverhandlung ist es sehr wichtig, dass du die richtigen Argumente anbringst. Diese gehen natürlich Hand in Hand mit deiner Argumentation im Motivationsschreiben, welche darlegt, wieso du generell die richtige Person für die Stelle bist (Hier findest du alle Informationen zur Erstellung eines perfektes Motivationsschreibens). Argumentiere aus Sicht des Arbeitgebers, wie du ihm Wert generieren kannst, aufgrund deiner vergangenen Erfolge. Je konkreter und messbarer diese sind, desto besser. Argumentiere, wenn möglich, auch unter dem Aspekt «marktgerechter Lohn». Wie gesagt, deine Fähigkeiten und Erfahrungen sind gewissermassen ein Produkt, das dein potenzieller Arbeitgeber erwerben will und der Preis dafür wird marktwirtschaftlich bestimmt. Sprich aber immer aus eigener Perspektive «Ich finde …» und direkt an deinen Gesprächspartner adressiert, denn so zeigst du Selbstvertrauen. Vermeide aber unbedingt Argumente wie, dass du aufgrund deiner Lebenshaltungskosten, Sparziele oder wegen einer schwierigen finanziellen Situation mehr Lohn benötigst. Auch wenn das aus deiner Sicht so sein mag, sind das keine zielführenden Argumente für deinen potenziellen Arbeitgeber und wirken in der Lohnverhandlung kontraproduktiv.

männer am verhandlungstisch diei über lohnvorstellungen der bewerbung sprechen

Bei Uneinigkeit: Nutze den Spielraum und bringe konstruktive Vorschläge, sei aber konsequent

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb ein potenzieller Arbeitgeber, obwohl er dich als Person passend findet, deine Lohnvorstellungen nicht erfüllen will. Fixe Lohnbänder, Gehaltsstrukturen bestehender Mitarbeiter mit ähnlichem Profil oder Budgetrestriktionen sind oft genannte Gründe. Vielleicht bist du für die Stelle auch etwas überqualifiziert und jemand Günstigeres mit einfacherem Profil würde bereits ausreichen. Ebenfalls möglich ist, dass deine Informationen nicht ganz korrekt waren oder du dich verschätzt hast. Was auch immer es ist, wenn der Arbeitgeber von dir überzeugt ist und du dich richtig anstellst, kannst du oft noch ein bisschen etwas aushandeln. Beachte dafür folgende Dinge…

Verhandle zusätzliche Nebenleistungen statt mehr Lohn

Wie oben erwähnt, können nicht-monetäre Lohn-Bestandteile wie mehr Ferien, kostenloser Parkplatz, Möglichkeiten für Homeoffice oder eine Beteiligung an der Kinderbetreuung letztendlich für dich bedeutende monetäre Auswirkungen haben. Versuche hiervon etwas für dich Nützliches einzubringen, für das du auf etwas Lohn verzichten würdest. Oft sind Arbeitgeber hier kompromissbereiter als beim Bruttolohn.

Schlag stufenweise Lohnerhöhungen bei Erfolg vor

Gerade bei Einstiegspositionen mit Entwicklungspotenzial oder wenn du noch wenig Erfahrung im Beruf mitbringst, kann es für den Arbeitgeber ein Thema sein, dich zuerst zu etwas tieferem Lohn anzustellen, da du dich noch entwickeln musst. Später könnte der Lohn dann schrittweise steigen. Wichtig wäre für dich einfach, dass du das schriftlich in konkreten Zahlen zugesichert bekommst und dich nicht mit einem unverbindlichen «Wir schauen dann mal in zwei Jahren wieder» abspeisen lässt. Alternativ kannst du die Stelle zum tieferen Lohn erstmal antreten und nach der Probezeit versuchen, neu zu verhandeln. Wichtig: trage dir dafür relevante und messbare Argumente zusammen, die deinen Erfolg während der Probezeit belegen.

Denke strategisch und berücksichtige die Entwicklungsmöglichkeiten

Manchmal lohnt es sich im Rahmen der Lohnverhandlungen langfristig zu denken und die kurzfristigen Lohn-Ziele etwas zurückzustecken. Gewisse Stellen bieten hervorragende Möglichkeiten zu lernen, sich weiterzuentwickeln und eröffnen dir mit 2-3 Jahren Erfahrung auf dem Beruf völlig neue Optionen zu deutlich attraktiveren Gehältern. Natürlich ist das situationsabhängig, deshalb überlege dir gut, inwiefern dir diese Stelle zu etwas tieferem Lohn als Sprungbrett dienen könnte. Dies kann im Unternehmen sein, bei dem du dich beworben hast, oder auch bei Konkurrenten. Erfolgreiche Leute denken langfristig und deshalb solltest du dir diese Denkweise ebenfalls aneignen.

Absagen, wenn es zu keiner akzeptablen Einigung kommt

Wie gesagt: wenn du für den Arbeitgeber die richtige Person für den Job bist, lässt sich bei anfänglicher Uneinigkeit oft noch ein etwas besseres Angebot aushandeln – sei es durch etwas mehr Lohn oder anderen oben genannter Vorteile. Das zweite Angebot ist in der Regel aber das letzte Angebot und das solltest du nicht mehr weiter versuchen zu verhandeln. Es kommt auch vor, dass Arbeitgeber zu keinerlei Kompromissen bereit sind. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, um Farbe zu bekennen und das allfällige Angebot anzunehmen oder abzulehnen. In dieser Situation kann es durchaus sinnvoller sein, konsequent zu bleiben und abzusagen, als später jeden Tag frustriert zu sein. Lies dir vor der Entscheidung nochmals diesen Artikel durch und schlafe darüber. Wir sind sicher, dass du danach die für dich richtige Entscheidung treffen wirst.

handshake für erfolgreich vereinbarte lohnvorstellung in der bewerbung

Wir wünschen dir eine erfolgreiche Lohnverhandlung!

Nachdem du nun alle Informationen für eine erfolgreiche Lohnverhandlung in der Schweiz beisammen hast, wünschen wir dir ganz viel Erfolg! Verhandlungen können unangenehm und mühsam sein, aber mit der richtigen Vorbereitung wirst du das hinbekommen. Falls du Fragen oder Bemerkungen hast, schreibe diese unten in die Kommentare. Wir helfen dir gerne weiter!

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